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Dienstag, 23. Januar 2018 - dramatische Wolkenberge, bis 30°
Der Jetlag hat sich so ziemlich verflüchtigt, und wir fühlen uns endlich fit für eine kleine Bergtour, die diese Bezeichnung verdient. Margrit, die sich im Verkehrsgewühl, das in Stadtnähe herrscht, nicht gern ans Steuer setzt, muss sich nochmals mit dem iPhone-GPS herumschlagen und mich zum Ausgangspunkt lotsen. Auf einem schmalen Strässchen kurven wir zum „Belvédère" auf 600 Metern hinauf. Wir überholen einige kleine Wandergruppen, sogar Biker schwitzen bergwärts. Das Restaurant ist heute geschlossen, parkieren deshalb kein Problem. Wir fragen uns, wo die Gäste bei Wochenend-Andrang ihre Autos abstellen, denn einen richtigen Parkplatz gibt es nicht. Unterhalb des Restaurants bietet sich uns erstmals das eindrückliche Panorama eines grossen Teils der Nordküste und der Insel Mo'orea. Auch die Halbinsel mit der Pointe Vénus können wir erkennen. Vom Restaurant führt anfänglich eine Betonrampe zu einigen grünlich-grauen Gebäuden hinauf, die obskuren militärischen Zwecken zu dienen scheinen. Erst hier beginnt der Wanderpfad. Die Wärme ist auf dieser Höhe ein bisschen leichter erträglich, dennoch rinnen bald Schweissbäche an uns herunter. Der Weg ist abwechslungsreich. Mal geht es über schmale Rücken, dann durch schattige Waldpartien und zuweilen so steil hinauf, dass man sich an Seilen hochhangeln muss. Immer wieder bietet sich prächtige Sicht zur Küste, zu den Berggipfeln und in die Täler beidseits des Rückens, den wir erklimmen. Riesige unbekannte Bäume, Pflanzen mit grossflächigen Blättern, flechtenbehangene Pinien lassen uns staunen. Blumen sind etwas rar, es gibt kleine blaue, rote und gelbe, selten mal eine rosafarbene Orchidee. Aus dem Wald erklingt oft ein vielstimmiges Gezwitscher; dessen Urheber sind jedoch schwer zu erspähen. Nach rund anderthalb Stunden erreichen wir ein winziges Plateau mit einfacher Sitzbank. Wir haben 220 Höhenmeter bewältigt, mehr möchten wir uns heute nicht zumuten. Der Weg führt weiter auf den 2066 Meter hohen Mont Aorai, der für uns natürlich unerreichbar ist. Während wir rasten, baut sich von Südosten her ein mächtiges Wolkengebirge auf, aus dem es in der Gegend von Mahina zu giessen scheint. Wir beeilen uns daher mit dem Abstieg. Das Wetterglück verlässt uns aber nicht; die Wolken lockern sich wieder, wir bekommen nur ein paar wenige Tropfen ab. An einer völlig harmlos aussehenden, ebenen Wegstelle passiert mir dann ein Missgeschick, indem ich ausrutsche und mit dem Hinterteil im Grashang lande. Dreck am Ellbogen und an den Shorts - mehr ist zum Glück nicht passiert, und es zwickt auch nirgends.
Mittags sind wir zurück in Pirae, wo ich gleich einen erholsamen Taucher im Pool mache; Margrit begnügt sich mit der Dusche. Mitte Nachmittag fahren wir ein kurzes Stück ostwärts zum Yachtclub. Im Internet habe ich dort das Restaurant „Coconut Station" entdeckt, mit Gartenwirtschaft direkt am Yachthafen. Wir hoffen auf ein Eisdessert, aber die Wirtin, eine streng blickende, magere Französin, über die es den Internet-Kommentar gibt, bei Kritik jage sie die Gäste davon, kann nur Eis am Stiel bieten. Der Preis - 390 francs (CHF 3.90) - ist ebenso abschreckend, das Gartenmobiliar aus verblichenem Plastik ebenfalls, ganz abgesehen von der schmuddeligen Küche. Billige Sonnenschirme und grosse neue, hölzerne Picknicktische verbessern den Eindruck nur unwesentlich. Essen soll man hier aber günstig können - Preise sind auf dem mit Kreide gekritzelten Menu nicht angegeben. Immerhin sitzen wir unmittelbar am Bootshafen - unser Hauptgrund, hierher zu kommen, aber die modernen Motorjachten wirken wenig malerisch. Der Ort nimmt es somit in keiner Hinsicht beispielsweise mit den hübschen Gaststätten am Hafen und See in Romanshorn auf - ausser dass dort im Januar das Wetter nicht ideal ist.
Für einen allfälligen späteren Besuch klären wir ab, wo ein anderes Restaurant liegt, die „Krèperie". Die Google-Karte lokalisiert sie bei der Sporthalle an der Hauptstrasse, aber sie ist unauffindbar.
- comments
Christel Ja, wenn das Januar-Wetter in Romanshorn unseren Wünschen entsprechen würde, dann müssten wir gar nicht so weit fliegen. Und Meer haben wir ja auch, das Schwäbische Meer = Bodensee. Wenn das Wörtchen Wenn nicht wär . . . Zur Zeit haben wir ja Glück mit den Temperaturen, 9 oder 10° im Januar dürfen sich ja sehen lassen, nur leider ist es heute hier grau in grau.