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Donnerstag, 1. März 2018 - zunehmend bewölkt, ein paar Tropfen, 23°
Für die Fahrt nach Turangi wähle ich die Strecke über Stratford. Sie ist etwas kürzer als jene der Küste entlang, braucht aber mehr Zeit. In Stratford kaufen wir im New World-Supermarkt ein, bevor wir auf den „Forgotten World Highway" einbiegen. Diese Gegend im westlichen Zentrum der Nordinsel wurde erst spät von Weissen besiedelt und galt lange als unterentwickelt. Die Strasse ist eine einzige Berg- und Talfahrt über mehrere kleine Pässe, genannt „saddle". Mehr oder weniger parallel gibt es gar eine Schmalspur-Eisenbahnlinie, die die Pässe in Tunnels unterquert. Personenzüge fahren seit 1983 nicht mehr. Einmal geht es gar durch einen roh belassenen, schmalen Tunnel mit Einbahnverkehr. Autos oder gar Lastwagen begegnen uns nur wenige, obwohl die Strasse geteert ist bis auf einen Abschnitt von rund 10 Kilometern (wo sie sich selbstverständlich nicht anders nennt als "Highway"). Von Stratford nach Taumarunui sind es gut 150 Kilometer. Ein richtiges Dorf gibt es an dieser Strecke nicht, es sei denn man wolle Whangamomona als solches bezeichnen, das aus einem Schulhaus, einem Hotel, einer Kirche, einem Trödelladen und ein paar Privathäusern besteht. Neben dem Plumpsklo für Touristen hat man einen Briefkasten montiert, der während unserer Anwesenheit sogar geleert wird! Zu dieser Distanz kommen heute insgesamt nochmals gut 100 Kilometer vor- und nachher. Wir beeilen uns nicht, halten oft und machen ausgiebige Mittagsrast. Spektakuläre Landschaften sind, vielleicht mit Ausnahme der Tangarakau-Schlucht, nicht am Weg, und das ewige Tal- und Hügelfarmland wird bald einmal langweilig.
Hinter Taumarunui ist nochmals eine Hügelkette zu überwinden; von einem Aussichtspunkt mit kleiner Plattform können wir in der Ferne einen schmalen Streifen des Tauposees erkennen. Wir trinken hier unseren Nachmittagstee, dann legen wir die restlichen 36 Kilometer zurück. Unsere Unterkunft in Turangi für fünf Tage lässt uns das Navi problemlos finden. Zum Betreten des Häuschens brauchen wir einen Code, den die Eigentümerin Catherine Dearlove (was für ein Name...) schon per E-Mail hätte schicken sollen, es aber wohl vergessen hat. Ich muss sie anrufen, damit wir das Haus betreten können. Es handelt sich um eine „Bach" („Bätsch"), ein Wochenend- und Ferienhaus für maximal 10 Personen. Wir treffen eine neue, mit allen Schikanen eingerichtete Küche und ein blitzblankes neues Bad an, einen Wohnraum mit jeder Menge Polstermöbeln, ein Doppelbett unter einer Treppe, die unters Dach hinaufführt, wo weitere zwei Doppelbetten sind. Ziemlich irritiert stellen wir aber fest, dass es keinen Esstisch und keine Stühle gibt! In einem kleinen Nebengebäude, wo ein weiteres Doppelbett und Polstermöbel stehen, finde ich eine Art Tischplatte, ein Rest des Materials, das für die Küchenabdeckung verwendet wurde. Bevor ich daraus einen Tisch zu improvisieren versuche, rufe ich aber Catherine nochmals an. Sie erklärt, ihre Gäste ässen halt mit den Tellern auf den Knien im Wohnraum; das sei hierzulande in solchen Unterkünften so üblich! Na toll. Ich erwidere, als Europäer sei ich von dieser Sitte überrascht, werde aber sicher eine Lösung für uns finden. In der Tat: Aus der Tischplatte und zwei Gitterrosten eines Kinderbettes gelingt es mir, in der Küche einen behelfsmässigen Tisch aufzubauen, angelehnt an einen Stützpfosten und abgesichert durch eine Metalltonne, die ich neben dem Whirlpool auf der Terrasse finde. Als Stühle dienen ein nicht mehr ganz intakter Camping-Klappstuhl (auch von der Terrasse) und ein Fauteuil aus dem Wohnraum, erhöht durch Kissen. Wow, was man hier für Überraschungen erlebt! Diese Unterkunft habe ich nicht bei Airbnb, sondern bei „Bookabach" entdeckt. Das sei die neuseeländische Variante von Airbnb, meinte Naomi in Bell Block. Nun ja, anscheinend zuweilen eine eigenwillige Variante. Die Unterkunft ist mit 70 NZ$ = ca. Fr. 50 pro Nacht aber recht günstig.
- comments
Christel Unglaublich, dass man sich noch Tisch und Stuhl basteln muss, um einigermassen vernünftig essen zu können. Amüsant zu lesen, aber einen solchen "Luxus" brauche ich auch nicht. Das sind ja spannende Ereignisse, ich mit meinen 2 linken Händen wäre ja mal wieder verloren . . .