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Auf dem Hapuakohe Walkway
Donnerstag, 15. Februar 2018 - sonnig, leicht bewölkt, bis 28°
Eines unserer wichtigen Wanderziele, das Kauaeranga Valley bei Thames, ist wegen Sturmschäden leider seit gestern geschlossen. Leider fand ich das gestern Abend erst heraus, als ich schon fast eine Stunde mit der Internet-Recherche verbracht hatte... Alternativen in vernünftiger Entfernung gibt es nicht allzu viele. Ich stosse auf den Hapuakohe Walkway in der gleichnamigen Hügelkette wenige Kilometer westlich. Elf Kilometer auf schneller Strasse bis zum Weiler Mangatarata, von dort 4 Kilometer schmale, aber gute Kiespiste. Sie endet in hügeligem Weideland unweit eines Pinienhains bei einem Bauernhof, wo die üblichen ausgedienten Traktoren, vier Boote, ein alter Bus und eine Menge rostige Geräte herumstehen. Parkieren geht so knapp auf dem Gras vor einem Holzzaun und ebensolchem Tor. Eine Infotafel verkündet, bis zu einer bestimmten Strasse seien acht Stunden zu wandern. So weit wollen wir natürlich nicht; unser Ziel ist eine Anhöhe rund 5 Kilometer von hier. Fast scheitert unser Plan am Holztor, das mit einer starken Kette verschlossen ist; einen Überstieg gibt es nicht. Für uns Senioren ist das Hindernis nur mit grosser Mühe übersteigbar, aber schliesslich schafft es auch Margrit mit meiner und der Hilfe eines Farmers, der in Begleitung von zwei enthusiastischen Hunden zu Fuss auf dem Strässchen daherkommt. Der Weg gehe durch den Busch, sagt er, irgendwo gebe es dann „view". Zunächst marschieren wir aber auf einem Fahrweg durch nasses Gras im Schatten der Pinien, bis nach einer knappen halben Stunde ein steiler Pfad einem Zaun entlang hinaufführt, immer noch zwischen Pinien. Dann ein einfacher, vom Regen noch schlüpfriger hölzerner Überstieg über einen Zaun, der den Pinienwald vom wilden Busch trennt.
Sofort sind wir in einer ganz anderen Welt: Üppige Pflanzenvielfalt umgibt uns, Palmen, Farnbäume, Buschwerk und hohe Bäume bunt gemischt. Die Luft fühlt sich feuchter an, der Boden ist vom Regen vollgesogen, der Weg aber gut begehbar und klar mit den kleinen orangen Blechdreiecken markiert, die in Neuseeland dafür allgemein verwendet werden. Da die Sonne noch nicht sehr hoch steht, ist es geradezu düster in diesem Urwald. Der Weg windet sich auf und ab, wir bewegen uns mit äusserster Vorsicht, um nirgends auszurutschen, über Wurzeln oder quer über den Weg hängende Lianen zu stolpern. Umgestürzte Bäume sind zu übersteigen oder zu umgehen. Vor Schlangen oder andern gefährlichen Viechern brauchen wir uns nicht zu fürchten, die gibt es in Neuseeland nicht. Schön wäre, wenn uns ein Kiwi begegnen würde, aber die sind leider nachtaktiv und tagsüber nie zu sehen. Vögel sehen und hören wir wenige. Einige Male ertönt ein melodiöser Singsang, und wir entdecken eine riesige Taube, deren typischer Flügelschlag uns aufgefallen ist. Nach insgesamt anderthalb Stunden müssen wir einsehen, dass der Aussichtspunkt wohl für uns nicht erreichbar ist. Ohne GPS und iPhone-Karte mit Höhenkurven ist die Orientierung unmöglich. „Bei der nächsten Sitzbank machen wir Pause", versuche ich zu scherzen, aber solche Bequemlichkeiten sind in dieser Wildnis nicht zu erwarten. Für den Rückweg brauchen wir etwas weniger Zeit, und das Gatter am Weganfang schaffen wir problemlos. Nun entdecken wir auch das Wohngebäude der Farm, es duckt sich hinter eine Wellblechscheune mit Tonnendach. Der Farmer hat in diesem abgelegenen Tal mit Weiden, Wald und kleinen Berggipfeln sein einiges kleines Königreich.
Am Nachmittag schauen wir uns zu Fuss in Ngatea um. Es ist nicht sehr heiss, aber die Sonne sticht intensiv auf dieser geografischen Breite, die auf der Nordhalbkugel jener von Nordafrika entspricht. Alles Wichtige reiht sich an der Hauptstrasse auf, auch der kleine Supermarkt „Four Square", wo wir uns mit dem Nötigen eindecken. Wie schon bei früheren Besuchen in diesem Land, staunen wir über die grosszügigen Platzverhältnisse, vor allem über die Breite der Haupt-, aber auch der Quartierstrasse. Die Strasse, wo wir wohnen, ist ein Stück weit gar richtungsgetrennt mit Bäumen auf dem Mittelstreifen! Wie überall, gibt es auch in Ngatea ein öffentliches WC - samt Parkplatz, selbstverständlich gratis zu benützen. Dann eine Überraschung: Im Schaufenster eines Immobilienmaklers entdeckt Margrit ein Inserat für „unser" Haus. 420'000 NZD, ca. 300'000 Franken soll es kosten. Grundfläche über 800 m². Damit löst sich das Rätsel, weshalb dieses Haus nicht dauernd, sondern mit Airbnb an Touristen vermietet wird.
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