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Hola
Wir befinden uns unterdessen im Jahr 2012, und ich hoffe, du hattest einen tollen Silvester! Alles Gute fuer das neue Jahr!
Die Silvesternacht erlebte ich dieses Mal in Ollantaytambo, das in der Naehe von Cusco (Peru) ist und der Ausgangspunkt fuer den Inka-Trail war, der uns innert vier Tagen zum neuen Weltwunder Machu Picchu (Inka-Staette im Regenwald) fuehren sollte.
Nach einem kleinen Nickerchen am Nachmittag des 31. Dezember 2011 hiess es, auf dem Markt den hiesigen Gluecksbringer zu kaufen - gelbe Unterhosen! Somit erschien der groesste Teil unserer Truppe in gelben Unterhosen zum Abendessen, und damit man diese auch sah, trugen wir diese ueber den Hosen. Aus Spass haben wir Jungs uns auch Frauen-Slips gekauft und hatten einen lustigen Abend und zogen nicht weiter verwunderlich viele Blicke auf uns, da die Peruaner die Unterhosen wie der Name schon sagt unter den Hosen tragen. Nachdem meine Gruppe sich auf den Weg zum Sandmaennchen gemacht hatte, trank ich noch was mit einer anderen GAP-Reisegruppe (GAP = Great Adventure People), von welcher sich ein australisches Paerchen die Reise dank der TV-Sendung "Deal or no deal" finanziert hatte - der Gewinn betrug AUD 38'000.-! Ich sollte wohl auch mal bei einer solchen Sendung mitmachen, obwohl ich immer im Zwist bin - Glueck im Spìel, Pech in der Liebe. Auch ich schaffte es nicht bis Mitternacht aufzubleiben, u.a. auch aus Vernunft, startete doch am 1. Januar 2012 um 7.30h unser Trek, und ich wollte dafuer bei Kraeften sein. Um Mitternacht war ich dann aber trotzdem wach, schossen die Peruaner doch aus allen Rohren ihre Feuerwerke in den Himmel und einige Knaller klangen wie Panzergeschosse - unheimlich laut!
Maessig fit stand ich um 7.30h an der Reception zur Abfahrt bereit. 3kg persoenliches Gepaeck war erlaubt nebst den 3kg fuer den Schlafsack und die Schlafmatte. Obwohl ich bereits in Cusco meine Siebensachen gewogen hatte und die Gewichtslimite eingehalten hatte, war mein Sack nun ploetzlich ein Kilo zu schwer. Leicht gestresst entledigte ich mich u.a. meiner Schlaf-Trainerhose und meiner Handschuhe, was ich schon kurz darauf bereute. Die 40-minuetige Busfahrt an den Startort unseres Treks fuehrte uns an der "sexy woman" vorbei ... dies war jedenfalls was ich verstanden hatte, als der Guide unser Augenmerk auf eine Inkastaette lenkte. Spaeter sah ich dann die richtige Bezeichnung der Ruinen "Sacsayhuaman":-) . Angekommen, schauten wir bewundernd unseren Traegern zu, wie diese unsere Saecke in grosse Rucksaecke stopften und dann (die meisten in Sandalen!) los marschierten. 20kg duerfen die Traeger nach Gesetz tragen, doch ein Traeger erklaerte mir, dass es meist mehr ist (bis zu 40 kg!). 10km sollte die erste Etappe umfassen - flach hiess es. Inka-flach bei Nachfragen, was so viel wie stark huegelig bedeutet. Koka-Blaetter kauend liefen wir dem ersten Etappenort entgegen und lauschten den Infos unseres Fuehres zu den diversen Inka-Staetten. Der erste Tag schafften wir alle noch relativ locker, auch wenn der Puls sich zwischenzeitlich wie ein Maschinengewehr-Feuer anhoerte. Es war bewunderswert wie schnell die Traeger am Ziel waren, waren doch die Zelte bei unserem Eintreffen schon aufgebaut, und ein kleiner Snack bestehend aus Popcorn und Biscuits wartete ebenfalls bereits auf uns!
Tagwache am 2. Januar war um 5 Uhr - zu frueh fuer mich, der nicht gut auf dem harten Boden und in dem feuchten Zelt geschlafen hatte. Die Traeger erleichterten den Start, indem sie uns warmes Wasser zum Waschen und einen Koka-Tee zum Zelt brachten. Nach einer kurzen Staerkung ging es auf die haerteste Etappe - 12km auf den ersten Pass, den "Women Dead Pass". Auch die Maenner waren auf dem Gipfel halb tod und mehrere kamen an ihre Grenzen. Stolz schossen wir auf dem windigen Pass einige Fotos. Auf dem ganzen Weg wurden wir staendig von Traeger ueberholt, welche den darauf folgenden Abstieg hinunterrannten!! "Do you know what's a porter in a hurry?" "Harry Potter" ;-)
Beim Aufstieg hoerte ich mittels meines MP3-Players Musik, die mich motivierte. Anfangs lauschte ich der Filmmusik "The Rock", was gut zur Umgebung passte. Die nachfolgende leichte Panfloeten-Andenmusik widerspiegelte jedoch keinesfalls die Anstrengungen, befluegelte jedoch die Gedanken und stets wenn man von einem Traeger ueberholt wurde, hatte man ein schlechtes Gewissen und das Selbstmitleid wechselte zu Mitleid mit den kleinen, schlanken Peruanern, die eine Wahnsinnsleistung vollbrachten. Ich traf als zweiter am Zielort ein, wo wiederum alles schon aufgestellt war. Mittagessen wurde uns jedoch erst nach Eintreffen der letzten Gruppenmitglieder serviert, naemlich um 15 Uhr, was 2.5 Stunden nach meiner Ankunft war! Mein norwegischer Zeltpartner Magnus veraenderte sich mit dem ansteigenden Hunger in die Filmfigur "Hulk" und wuergte mich aus Spass. Da ich mich wehrte, wurde ein Nackenmuskel gezerrt, der auch noch am naechsten Tag schmerzte. Beim spaeteren Karten spielen, verwarf Magnus seine Haende als er verlor und schlug mir dabei aus Versehen meine rechte Kontaktlinse raus. Als er sie dann wieder fand, war dies der schoenste Moment des Tages.
Der dritte Tag war mit 17km der laengste, nicht aber der anstrengste. Trotzdem wurde er der muehsamste Tag, regnete es doch ununterbrochen und meine Regenjacke liess das Wasser mit der Zeit durch und auch der Inhalt meines Rucksacks wurde feucht, was auf die Stimmung schlug. Die mehreren Stopps fuer verschiedenste Blumen erheiterten mich nicht gerade und haetten weggelassen werden koennen. Wenigstens hatte ich nicht noch frueher als am Vortag aufstehen muessen. Die drei Langsamsten unserer Gruppe hatten naemlich den Weg eine Stunde frueher in Angriff genommen, damit sie gleichzeitig beim Mittagessen eintreffen wuerden. Duschen war waehrend des ganzen Inka-Treks nicht moeglich (abgesehen von der natuerlichen Dusche namens Regen), so dass man sich nicht waermen konnte und beim Abendessen die nasse Hose und Jacke tragen "musste", um sie trocknen zu koennen, in der Hoffnung am letzten Tag Machu Picchu in trockenen Kleidern erforschen zu koennen. Der Besuch des WC war jeweils eine grosse Herausforderung einerseits an die mueden Oberschenkel, waren es ausschliesslich Stehklos, und andererseits olifaktorisch.
Nach dem erneut feinen Abendessen wurde uns der Tagesplan fuer den vierten Tag bekannt gegeben. Als ich vernahm, dass um 3 Uhr Tagwache sei, dachte ich zunaechst an einen Scherz. Dem war leider nicht so. Damit wir die erste Gruppe waren, die auf die letzte Etappe von 6km zum Machu Picchu starten konnte, standen wir bereits um 3.45h vor dem verschlossenen Eingangstor. Um 5.30h wurden wir eingelassen, und ich rannte mit dem australischen Leichtathletik-Paerchen Steph & Tom und der Sportskanone Magnus dem Sonnentor entgegen. Statt der ueblichen Stunde zu diesem Aussichtspunkt, brauchten wir nur gerade mal eine halbe Stunde und wurden mit der langersehnten Sicht auf die weltberuehmte Inka-Staette belohnt. Die Langsameren hatten weniger Glueck, zog doch der Nebel aus dem Tal hoch und versperrte die Sicht auf Machu Picchu, das wir dann nach dem Abstieg alle zusammen erkundeten. Der Wettergott hatte dann Einsehen mit uns und gab die Sicht auf die eindruecklichen Ruinen fuer eine Stunde frei und liess sogar die Sonne durch, bevor er uns doch noch Regen und dichten Nebel bescherte.
Wir waren alle stolz das Ziel erreicht zu haben. Die groesste Befriedigung brachte aber fuer alle von uns den Besuch eines Sitzklos und das anschliessende Belohnungsbier ;-) Nachdem die Speicherkarten unserer Digitalkameras gefuellt waren, ging es runter nach Agua Calientes, wo ich mir nach einer Pizza einen Schokoladenkuchen mit Vanille-Glace goennte und mich danach super fuehlte - abgesehen von den Blasen an den Fuessen.
Das "I survived the Inca-Trail"-T-Shirt leistete ich mir nicht, doch die Freude war nicht minder, nicht zuletzt wieder ein Hotelzimmer in Cusco sein Eigen nennen zu duerfen und auf erlebnisreiche vier Tage zurueckblicken zu koennen.
Cordiales saludos y hasta la proxima vez,
Don Lorenzo
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