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Freitag, 23. Februar 2018 - leicht bewölkt, 24°
Der Morgen ist etwas kühl, und während ich Tee und Toast aus der Küche in die Lounge daneben trage, geht gar ein Schauer nieder. In der Küche können wir nicht frühstücken; die Chinesen belegen sie wieder, samt entsprechender Geruchsentwicklung - die kochen auch am frühen Morgen schon; Brot ist kein Thema. Aber in der geräumigen Lounge gibt es nebst uralten, durchgesessenen Polstermöbeln und Fernseher auch einen grossen Tisch. Der Himmel wird rasch blauer, als wir um 10 Uhr parallel zur Küste südwärts fahren. Dies ist keine touristische Strecke; das Verkehrsaufkommen ist sozusagen gleich null. Wir durchqueren welliges, grünes Farmland mit Baumgruppen oder Hecken da und dort, selten begegnen wir kleinen Flecken mit ursprünglichen Busch. Es ist augenfällig, dass hier im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert rücksichtslos abgeholzt wurde. Da und dort sind Kuh- oder Schafherden am Grasen, an den Hängen oder auf Kuppen stehen an Traumlagen die Häuser der Farmer. Die anfangs geteerte Strasse geht bald in eine Schotterpiste über. Sie ist trotz einiger Schlaglöcher und etwas Wellblech akzeptabel, wenn auch kurvenreich und wegen des dauernden Auf und Ab langsam zu befahren. Es begegnen uns Autos - in einer Stunde vielleicht zwei oder drei. Einzige Sehenswürdigkeit sind „Rocky Outcrops", ansehnliche felsige Partien an den Hügeln. Einmal halten wir bei einer hölzernen Vieh-Verladeanlage und schauen einem Bauern zu, der mit seinem Squad, einer Art Vierradtöff - ein totes Schaf über die Weide schleppt; wir fragen uns aus welchem Grund. Die Karte zeigt als Attraktion den „Kapiapiarock" vor der Küste an, aber als endlich das Meer in Sicht kommt, haben wir dieses Inselchen offenbar bereits hinter uns. Ebenso geht es uns mit der „Limestone Karst Area", für die wir keinen Hinweis entdecken können. Na ja, wir sind auch gar nicht mehr hinter besonderen Attraktionen her; heute genügt es uns, durch diese friedliche Landschaft zu fahren. Es ist Mittag, wir hoffen auf einen Picknickplatz, aber an dieser ländlichen, unspektakulären Strecke gibt es sowas nicht. Vom Parkplatz einer kleinen Kirche fahren wir gleich wieder ab, als uns Verwesungsgestank in die Nase steigt.
Es bleibt nur, bis zum Städtchen Ngaruawahia (was für ein Name) weiterzufahren. Dort lassen wir uns in einem Park am Waikato River nieder. Hier campierten wir vor drei Jahren. An genau jener Stelle darf man das nicht mehr; man hat dafür eine kleine Fläche für „self-contained"-Camper ausgewiesen. Es ist gratis, aber mit unserem „Roadie" dürften wir hier nicht stehen. Die Busse sei 200 $, sagte die Dame bei der Vermietung. Nach dem Mittagspicknick machen wir einen kleinen Rundgang durch das etwas heruntergekommene Maori-Städtchen und frischen Erinnerungen auf. Vor drei Jahren stiegen wir eine Stunde lang auf einer fast unendlichen hölzernen Treppe auf den Hügel westlich des Ortes; heute würden wir das nicht schaffen, denn die langsam abklingenden Symptome der Erkältung schwächen uns noch. Bis zum „Lucky Duck" Bed and Breakfast ist es nun nicht mehr weit. Es geht aber noch um viele Ecken, ohne Navi wäre das Haus schwer zu finden. Die thailändisch aussehende Gastgeberin Shelley steht auf der Schwelle und begrüsst uns sehr freundlich. Wir betreten eine prächtige, kompliziert gebaute Villa mit luxuriösem Interieur. Unser Zimmer ist geräumig und gemütlich, das Bad erinnert mit seinen farbigen Kacheln etwas an Hundertwasserbauten. Shelley erlaubt uns, ihre private Küche zu benützen, um gebratenen Reis mit Gemüse zuzubereiten. In dem grossen Raum wird auch das Frühstück für die Gäste aufgetischt. Hündin Dora begrüsst uns mit der ihrer Art eigenen Begeisterung; zwei schwarze Katzen sind etwas zurückhaltender. Wir ziehen uns bald in unser Zimmer zurück; der Tag war lang und ermüdend. Von zwei jungen Amerikanerinnen, zu erkennen am zuckersüssen Lächeln, bekommen wir deshalb nicht viel zu sehen. Aus der grossen Lounge neben dem Frühstücksraum hören wir Fernsehkommentare zur Winterolympiade in Südkorea - uns kann das nicht locken. Ich mache mich aber noch daran, weitere Unterkünfte für die gut zwei Wochen ausfindig zu machen, die uns in Neuseeland noch bleiben. Margrit äussert den Wunsch, nochmals den wunderschönen Vulkan namens Taranaki oder Mount Egmont im Westen der Insel zu sehen, den wir auf jeder früheren Reise angesteuert und 1986 bestiegen haben. Deshalb buche ich über Airbnb ein Haus für 4 Tage bei New Plymouth. Weitere Unterkünfte für 5 und 6 Tage reserviere ich in Turangi am Südende des Tauposees und in Rotorua.
(Foto: Lucky Duck Guesthouse bei Hamilton)
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