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Ohrenbetäubender Lärm durchdringt die Stille! Inzwischen bin ich in Neuseeland angekommen und unternehme heute einen Ausflug nach Waiheke Island, welche etwa 35 Minuten mit der Fähre von Auckland entfernt ist. Die Insel ist ein Traum. Schon am Fähranleger habe ich mir ein Tagesticket für den Bus gekauft und war bereits am Onetangi Beach und im Onetangi reserve.
Ich möchte möglichst viel von dieser wunderbaren Insel sehen und bin auf dem Weg zur Rocky Bay. Da der Bus nicht so häufig fährt, beschließe ich, statt zu warten, zu Fuß weiterzugehen.
Es ist ein herrlicher Tag und die Vögel zwitschern, während ich durch die Landschaft laufe und mich an der Schönheit der Insel erfreue. Und dann auf einmal dieser wahnsinnige Lärm! Ich kann das Geräusch nicht zuordnen, aber es gehört eindeutig nicht hierher. Trotzdem bin ich neugierig und gehe weiter in die Richtung, aus der ich den Krach vermute.
Was soll ich sagen, strahlend blauer Himmel, ein begeistertes Publikum, braungebrannte Jungs mit Bierdosen in der Hand und aufgemotzte Kisten, die ein bisschen so aussehen wie ich knieabwärts, nämlich völlig verdreckt! Ich bin durch Zufall mitten in einem Autorennen gelandet.
Gerade werden die letzten Vorbereitungen abgeschlossen und das Probefahren ist beendet. Kurz darauf wird die Flagge geschwenkt und schon sausen die Autos los. Der Sand spritzt zu allen Seiten und obwohl ich hinter einem Netz stehe, bekomme ich noch einiges ab. In einer Kurve wird es ein paarmal eng, einige Autos nehmen sie zu schnell und stehen plötzlich quer auf der Rennstrecke oder gleich ganz in die falsche Richtung. Puh, das war knapp, zum Glück gibt es keinen Zusammenstoß. Als die Zielflagge geschwenkt wird, liegt der Favorit noch knapp vorn, verliert am Ende aber doch um Haaresbreite. Die Stimmung ist trotzdem ausgelassen. Was für ein Event!
Der Bus ist inzwischen an mir vorbei gefahren und so muss ich meinen Weg weiter zu Fuß fortsetzen. In Rocky Bay angekommen stelle ich fest 'der Weg war das Ziel', denn so wirklich viel ist hier nicht. Da es bereits später Nachmittag ist, nehme ich den nächsten Bus Richtung Fähre über Palm Beach. Das klingt einladend und so lege ich hier einen weiteren Stopp ein. Wie die Bucht zu ihrem Namen gekommen ist, ist mir schleierhaft denn besonders viele Palmen kann ich nicht entdecken. Vielleicht war das irgendwann mal anders. Palmen hin oder her, die Bucht ist trotzdem sehr schön und ich erlebe einen fantastischen Sonnenuntergang. Nur schwer kann ich mich von dem Anblick losreißen und so kommt es, dass ich kurz darauf dem Bus hinterherrennen muss. Leider erfolglos. Ich bin mit meinem Schicksal jedoch nicht allein. Ein Kubaner ist mit mir gemeinsam umsonst hinter dem falschen Bus hergerannt, wie sich schnell herausstellt. Denn er fuhr in die entgegengesetzte Richtung. So kommen wir schnell ins Gespräch. Wir haben den gleichen Weg und so fahren wir gemeinsam zurück nach Auckland. Auf der Fähre erzählt er mir, dass er es gar nicht so eilig hat zu seiner Gastfamilie zurückzukommen. Es gibt schon wieder, wie jeden Samstag, Fish und Chips zum Abendbrot. (Das gibt es hier tatsächlich an jeder Ecke zu kaufen und ist total beliebt.) Darüber kommt er ins Schwärmen und erzählt mir von seinen Jahren in Europa (Niederlande und Spanien) und seinen Erinnerungen als er das erste Mal in den Niederlanden und in Deutschland gegessen hat. Käse, besonders an den Käse kann er sich erinnern und wie überwältigt er von der Auswahl war. In Kuba hatten sie, wenn es überhaupt mal Käse zu kaufen gab, nur eine Sorte. Ich werde nachdenklich. Wenn ich vor dem Käseregal stehe, bin ich in erster Linie überfordert angesichts der Auswahl und denke in der Regel nicht darüber nach, was für ein Glück ich habe, in einem Land zu leben, in dem wir eine solche Vielfalt an Lebensmitteln mit hoher Qualität zu doch bezahlbaren Preisen haben und dass es Länder gibt, in denen das nicht so ist. Reisen heißt also anscheinend nicht nur fremde Länder und Kulturen kennenzulernen sondern sich auch die Gegebenheiten im eigenen Land mal wieder bewusst zu machen und mehr zu würdigen.
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Philipp Förmer Deine Demut-Erkenntnis am Ende des Tages gefällt mir besonders gut. Sehr schön, dass du auch ehrlich darüber schreibst. Von derartigen Erkenntnissen wünsche ich dir noch viele mehr auf deiner Reise. Aus meiner persönlichen Sicht sind diese viel entscheidender für dein weiteres Leben als die Welt photographisch in deinem Kopf katalogisiert zu haben nach deiner Weltreise.
Yassy Das Renne wäre genau meins gewesen ;O) und das Ende ist echt schön, da muss ich Philipp echt Recht geben.