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Gleiche Airline, gleicher Flughafen - 4 Monate später - immer noch die gleiche Begeisterung und Vorfreude. Ich bin wieder in Hongkong. Mein Aufenthalt ist dieses Mal allerdings auf drei Stunden am Flughafen begrenzt. Als ich den Flug von Cairns aus gebucht habe, hatte ich kurz darüber nachgedacht, nochmal ein oder zwei Nächte in Hongkong zu verbringen, jedoch habe ich die Idee dann wieder verworfen. Als im Landeanflug die ersten Lichter der Stadt am von der Nacht noch dunklen Horizont auftauchen, werde ich wehmütig und bereue es fast ein bisschen nicht doch noch einen kurzen Zwischenstopp eingeplant zu haben. Alles ist gleich wieder vertraut - ein bisschen wie nach Hause kommen. Hier hat vor 4 Monaten alles angefangen. Es fühlt sich wie eine Ewigkeit an. In Gedanken lasse ich die Zeit und die vielen Bilder in meinem Kopf Revue passieren. Was ist seitdem nicht alles passiert und wie viel habe ich seitdem erlebt?! Noch unsicher was mich auf der Reise erwarten wird, ob es wirklich die richtige Entscheidung war und so viele Fragen mehr im Kopf, hatte mich Hongkong zwischenzeitlich etwas überfordert, aber eigentlich mochte ich Hongkong total gern. Nun bin ich auf dem Weg nach Peking und bin gespannt, wie mir das gefällt.
Schon oft habe ich mich beim Checkin am Flughafen gefragt, warum es bei einigen Leuten so lange dauert. In Sydney beim Checkin am Abend zuvor dauerte dann mein eigener Checkin ein halbe Ewigkeit. Ich war den ganzen Tag über schon nervös wegen des Fluges. Es ist mir sogar leicht auf den Magen geschlagen. Ich habe kein Visum für China. Laut meiner Internetrecherche erfülle ich die Kriterien um mich in Peking für max 72 Stunden Visa free aufzuhalten und am Flughafen ein Transitvisa zu beantragen. Meine Flüge habe ich exakt darauf abgestimmt um so viel Zeit wie möglich in Peking zu verbringen, aber auf gar keinen Fall die 72 Stunden zu überschreiten, denn die Behörden sind wohl sehr streng was das angeht und das letzte was ich will, sind irgendwelche Probleme mit bzw. in China. So viel zur Theorie, denn ein Restzweifel, ob das alles so stimmt und passt, bleibt. Die Dame am Checkin rechnete hin und her, zog mehrfach den Computer zu Rate, telefonierte, diskutierte mit einer Kollegin, ließ sich weiterverbinden, in Gedanken überlegte ich mir bereits einen eventuellen Plan B. Dann endlich schaute sich mich erleichtert an und gab grünes Licht. Sie bestätigte mir nochmal, dass es sowohl für mich als auch für die Airline große Probleme gibt, wenn irgendwas mit dem Visum nicht in Ordnung ist und dass China da eben sehr strikt sei. Ich war sehr erleichtert, dass zumindest in Sydney alles glatt gegangen ist und die Bestätigung der Airline beruhigt mich sehr. Nun hoffe ich, dass die Beamten in Peking das auch so sehen.
Ich hatte gehofft, bereits aus der Luft ein erstes Bild von Peking zu bekommen, aber der Smog ist so intensiv, dass erst kurz vor der Landung überhaupt irgendetwas zu erkennen ist. Den blauen Himmel, an den ich mich die letzten Wochen sehr gewöhnt habe, streiche ich gedanklich schonmal für die nächsten Tage.
Bei der Immigration stelle ich mich fast am falschen Schalter an. Erst im letzten Moment sehe ich, dass es am Rand einen extra Schalter für 72 h free Visa gibt. Den Schalter ziehe ich der langen Schlange an den anderen Schaltern gern vor, denn außer mir geht dort niemand hin. Der Beamte wirkt überrascht, offensichtlich nehmen weniger Leute das Transitvisum in Anspruch als ich gedacht hatte. Die Konversation mit dem Beamten erfolgt im Telegrammstil und bietet mir einen ersten kleinen Einblick in das, was mich die nächsten Tage erwarten wird. Sein Englisch besteht nur aus einzelnen Wörtern, zudem spricht er teilweise sehr leise und nuschelig und manchmal bin ich mir nicht sicher, ob es überhaupt englisch ist. Irgendwie klappt es dann trotzdem mit der Verständigung. Er will unzählige Daten von mir und alles ganz genau wissen. Die normale Arrival Card hatte ich natürlich bereits ausgefüllt. Zusätzlich lässt er mich ein weiteres Formular ausfüllen, dass zur Hälfte nur aus Chinesisch besteht. Das Transitvisum wird ausschließlich nur von Ausländern beantragt. Die wenigsten werden chinesisch lesen können, deshalb hätte ich erwartet, dass so ein Dokument zumindest zweisprachig ist. Im übrigen hätte ich auch erwartet, dass jemand an einem Schalter, an dem nur Ausländer anstehen mehr Englisch spricht, aber gut. Nachdem wir die Formalitäten für’s erste geklärt haben, kommt ein Kollege und nimmt alles mit einschließlich meines Reisepasses um alles zu prüfen. Ich soll warten. Bereits ein schlechtes Gewissen, weil es so lange dauert, drehe ich mich um, aber ich bin weiterhin die einzige an diesem Schalter. Nach einer Weile kommt der Beamte wieder und gibt grünes Licht. Ich bekomme meine Stempel und kann gehen. Puhhh, geschafft. Jetzt bin ich wirklich erleichtert.
Nachdem ich mein Gepäck geholt habe, brauche ich als erstes Geld. Leider habe ich innerhalb der Sicherheitszone keinen Automaten gesehen. Dort hebe ich bevorzugt Geld im Ausland ab. Im Ankunftsbereich herrscht großer Trubel. Ich finde einen Automaten neben der Wechselstube. Am Automaten steht ein Chinese, der den Touris im Umgang mit dem Automaten hilft. Das ist mir eigentlich suspekt zumal ich mir sicher bin auch ohne fremde Hilfe an mein Geld zu kommen. Außerdem rückt der Chinese einem viel zu sehr auf die Pelle. Das mag ich sowieso nicht und am Geldautomaten schon gar nicht. Ich kann allerdings verstehen, dass es für jemanden, der weniger reiseerfahren ist oder weniger sicher im Umgang mit Geldautomaten dieser halb Englisch halb Chinesisch ‚sprechende‘ Geldautomat eine Herausforderung darstellen kann. Der Chinese sieht allerdings ‚offiziell’ aus, was nichts heißen muss, so dass ich mich schließlich doch in die Schlange einreihe.
Der Transport in die Stadt ist zum Glück einfach. Ich nehme den Airport Express, eine spezielle U-Bahn. Mein Hostel liegt günstig und ich brauche nur einmal umsteigen. Für die normale U-Bahn benötige ich ein anderes Ticket und so finde ich mich erneut in einer Schlange wieder. Irgendetwas scheine ich aber falsch zu machen, ich rücke nicht wirklich vor, stattdessen drängeln sich andere Chinesen ständig vor. Mit meinem großen Backpack bin ich ja nun wirklich nicht zu übersehen!
Die Situation erinnert mich an Macau, als ich beim Barbecue am Strand eine identische Situation hatte. Inzwischen habe ich viel gelernt und bin bestimmt auch selbstbewusster geworden. Beschweren wird nix nützen, so viel ist mir klar. Bestenfalls verstehen Sie mich nicht, andernfalls vermute ich, dass es ihnen egal ist. Ich beobachte stattdessen lieber die Einheimischen, denn ich vermute ein Prinzip dahinter und gehe davon aus, dass es nicht darum geht, wer am besten vordrängelt. Meine Beobachtungen ergeben, dass wenn man sich so dicht hinter seinen Vordermann stellt, dass möglichst nur noch eine Briefmarke dazwischen passt, keiner mehr vordrängelt. Absolut nicht mein Fall, aber es funktioniert!
Die Wegbeschreibung zum Hostel ist gut und ich finde es auf Anhieb. Ich bin sehr froh angekommen zu sein. Es ist unglaublich heiß und die Luftfeuchtigkeit enorm hoch. Meine Klamotten kleben an mir und ich will mein Gepäck loswerden. Das Hostel macht einen sehr netten Eindruck und die Besitzerin spricht super Englisch. Leider habe ich mich zu früh gefreut. Es gibt ein Problem. In China müssen alle Touristen innerhalb bestimmter Fristen bei der Polizei gemeldet werden. Wenn man in einem Hotel oder Hostel übernachtet, übernimmt in der Regel das Hotel oder Hostel die Meldung. Das wusste ich bereits aus dem Reiseführer. Aus irgendeinem Grund darf mein gebuchtes Hostel nur Touristen mit Full China Visum akzeptieren und nicht mit einem Transitvisum, wie ich es habe.
Ich erinnere mich dunkel, dass ich mal so etwas auf der Seite von booking gelesen hatte, als ich das Hostel gebucht habe, wollte mich darum eigentlich auch nochmal gekümmert haben, habe es dann aber irgendwie verdrängt anschließend vergessen und als es mir kurz vor Abflug wieder eingefallen ist, dachte ich nur ‚no worries, wird schon‘. Diese Einstellung hat mich die letzten Wochen bzw. Monate in Neuseeland und Australien begleitet und hat inzwischen scheinbar stark auf mich abgefärbt. Allerdings bin ich jetzt in China und auch wenn man es hier mit vielen Dingen gar nicht so genau nimmt, mein Transitvisum ist ein Problem. ‚Wird schon‘ bedeutet in diesem Fall, dass ich mir mit Hilfe ihres Wifis ein neues Hostel buche. Die Betreiber des Hostels sind super nett und extrem hilfsbereit und hatten erst versucht mich im YHA unterzubringen, was um die Ecke ist und ich auch bereits gesehen hatte, aber das ist ausgebucht. Ich bin ziemlich kaputt und habe keine Lust bei dem Wetter nochmal quer durch die Stadt zum nächsten Hostel zu fahren und außerdem gefällt mir die Gegend, so dass ich schaue, was in der Nähe ist. Leider bedeutet es trotzdem den ganzen Weg zurück zur U-Bahn Station und die gleiche Entfernung nochmal in die entgegengesetzte Richtung zu laufen. Ich habe zwar einen Straßennamen und eine Hausnummer und weiß in etwa wo es ist, aber ich finde es trotzdem nicht allein. Ich sehe einen Pförtner in Uniform und gehe davon aus, dass er mir weiterhelfen kann. Er spricht kein Wort Englisch. Ich kann immerhin ‚Nihau‘ (Guten Tag) sagen und lächeln. Das hilft immer. Zum Glück zeigt booking die Adresse auch auf Chinesisch an, ansonsten wäre ich jetzt wirklich aufgeschmissen. Er versteht, ist sich aber nicht sicher, beratschlagt sich noch mit zwei Frauen, die auch kein Wort Englisch sprechen. Am Ende steht fest, ich bin ein Stück zu weit gelaufen. So ganz genau, wo ich hin soll, weiß ich aber immer noch nicht. Kommunikation mit Händen und Füßen hat eben gewisse Grenzen. Ein paar Meter zurück ist eine Bankfiliale und ich hoffe auf eine genauere Auskunft und möglichst auf Englisch. Leider Fehlanzeige - kein Englisch, dafür aber wieder sehr hilfsbereite und freundliche Chinesen. Mit ihrer Hilfe finde ich die richtige Gasse und Nummer 36, die sich zwischen den Häusern mit Nummern 18 und 19 der Hauptstraße befindet. Ja nee, is klar!? Die Logik erschließt sich mir nicht. Im zweiten Hostel hab ich wieder englische Verständigung im Telegrammstil, aber irgendwie klappt es mit Hilfe der Translation App trotzdem. Die hatte ich mir vorher schon heruntergeladen, weil ich bereits von einigen anderen Reisenden gehört hatte, dass es in China mit Englisch schwierig werden könnte. Leider habe ich keine Ahnung, was die App übersetzt, denn die Bedeutung von chinesischen Schriftzeichen kann ich nicht mal erahnen. Zur Sicherheit lasse ich englisch/chinesisch übersetzen statt deutsch/chinesisch in der Hoffnung, dass die Übersetzung dann besser vom Programm unterstützt wird. Das kann ja heiter werden. Immerhin scheint es diesmal keine Probleme mit dem Visum zu geben. Der Muff im Zimmer erinnert mich an Hongkong. (Nach Hongkong musste ich erstmal alles waschen, weil der Muff in allen Klamotten steckte.). Es wundert mich aber nicht, denn das Zimmer hat kein Fenster, zum Glück gibt es immerhin Klimaanlage. Geputzt wurde vermutlich auch schon eine Weile nicht mehr, zumindest der Anzahl unterschiedlicher Paar Schuhe nach zu urteilen, die sich unter meinem Bett befinden und der entsprechenden Staubschicht, die sich darüber gebildet hat. Ist mir aber gerade alles egal, ich bin froh, ein Bett für die Nacht zu haben und endlich duschen zu können. Denn die Dusche habe ich nach zwei Flügen und dem ganzen hin und her in der Hitze und dem Gepäck irgendwie nötig.
Leider gibt es nur ein Bad für alle, was hin und wieder anstehen vorprogrammiert. Das Bad selbst ist kurzfristig ein Schock, aber dann erinnere ich mich, dass ich in China bin und eh nix anderes erwartet habe. Statt Toilette gibt es nur ein Loch im Boden, die Dusche hängt direkt darüber. Müßig zu sagen, dass es kein Fenster gibt und natürlich auch keinen Lüfter. Die Folgen von schlechter Belüftung in Kombination mit Bad und Feuchtigkeit kann man sich vorstellen. Auch hier gilt, besser nicht so genau hinschauen. Ich denke sehnsüchtig ans Outback und wünsche mir unser Buschklo zurück. Das war echt Luxus. Immerhin - die Dusche kennt sämtliche Temperaturzonen. Der Boden ist allerdings ziemlich rutschig trotz Flipflops und ich muss höllisch aufpassen, dass ich mit den Füßen nicht im Toilettenloch lande.
Kurz mache ich einen persönlichen Checkup und frage mich, wie ich mit der Hostelsituation zurecht komme und stelle fest, dass sie für mich echt ok ist. Ich weiß nicht, ob ich mehr überrascht oder schockiert über mich sein soll. Vielleicht liegt es an meinen Erfahrungen, die ich in der Zwischenzeit gemacht habe oder einfach auch nur an meinen niedrigen Erwartungen, was ein Hostel in China betrifft. In Hongkong war die Situation nicht so viel anders abgesehen vom Bad. In Neuseeland gab es jedenfalls Hostels, in denen ich mich unwohler gefühlt und den doppelten Preis gezahlt habe. Ich verbuche es unter ‚Part of the experience‘.
Frisch geduscht und voller Tatendrang stürze ich mich wieder ins Getümmel. Mit dem Verkehr habe ich auf dem Weg zu den Hostels schon so meine Erfahrungen gemacht. Immerhin fahren die Autos nach 4 - monatiger Reise durch ausschließlich Linksverkehrländer endlich mal wieder auf der rechten Seite! Zebrastreifen interessieren hier niemand. Grüne Ampel gibt eine geringe Sicherheit, aber nicht mehr. Irgendwer fährt garantiert bei rot. Einfach loslaufen und hoffen die restlichen Verkehrsteilnehmer würden Rücksicht auf einen nehmen - fatal!! Es regiert eindeutig das Gesetz des Stärkeren. Auf einen Chinesen mehr oder weniger scheint es nicht anzukommen.
In Peking habe ich zweieinhalb Tage Zeit. An einem Tag möchte ich gern in die Verbotene Stadt und an dem anderen auf die Chinesische Mauer. Daher kann ich mich nun treiben lassen und ich laufe einfach los. Allerdings macht sich schnell mein Magen bemerkbar, denn viel hat er heute noch nicht bekommen. Inzwischen voll auf vegetarisch umgestiegen und dem Wissen, dass Leitungswasser nicht als Trinkwasser zu gebrauchen ist, und daher Salat und ähnliches wegfällt und ich außerdem sehr hungrig bin, mich aber nicht lange irgendwo hinsetzen möchte und in Ermangelung spontaner Alternativen lande ich als erstes beim goldenen M.
Da wie gesagt Burger wegfallen, bleiben nur Pommes. Nicht gesund, aber für’s erste gibt es etwas Energie. Die Bestellung erfolgt über das Zeigen auf Bilder, denn auch hier - no english!! Immerhin small, medium, large wird verstanden. Bei Ketchup bin ich mir aber schon nicht mehr so sicher.
Eine Möglichkeit für Essen ist natürlich immer streetfood in den kleinen Garküchen, aber da mein Magen hin und wieder empfindlich reagiert und die öffentlichen Toiletten ein wirklicher Albtraum sind, verzichte ich lieber auf Experimente was das betrifft und nehme in Kauf vielleicht die eine oder andere kulinarische Köstlichkeit zu verpassen.
Zu den öffentlichen Toiletten lässt sich sagen, es gibt sie an quasi jeder Ecke und sind auch gut ausgeschildert, sogar auf Englisch. Die Beschilderung wäre allerdings gar nicht notwendig, denn man riecht die nächste Toilette bereits von weitem und zwar ganz egal wie der Wind steht. Neugierig wie ich bin, habe ich mir so eine mal von innen angeschaut und auch um festzustellen, ob so etwas für den Notfall geeignet wäre. Es stinkt so bestialisch, dass ich nur mit zugehaltener Nase in den Vorraum gekommen bin. Es gibt auch hier nur die klassischen Löcher im Boden, aber keine Tür!! D.h. jeder der reinkommt, sieht einen, wie man sein Geschäft verrichtet. Hat allerdings den Vorteil, dass man nichts anfassen muss. Toilettenpapier gibt es in der Regel nicht und Spülung auch nicht immer. Die Logistik für gleichzeitig Nase zuhalten, in dieses komische Loch pinkeln, aufpassen, dass man sich dabei nicht nass macht, die Klamotten nicht den Boden berühren und das ganze erledigen bevor der bzw. die nächste reinkommt, ist mir zu kompliziert. Daraufhin habe ich die öffentliche Toiletten als no Go und absolut indiskutabel eingestuft. Es erklärt auf jeden Fall, warum am Flughafen an der Innenseite der Toilettentür ein großer Aufkleber ‚Please lock the door for your convenience‘ prangt. Diese albtraumartige Toilettensituation könnte nur noch mit einem Problem im Magen Darm Trakt gesteigert werden. Insofern gehe ich in Sachen Essen lieber auf Nummer sicher.
Peking gefällt mir abgesehen vom Verkehr und den Toiletten aber echt gut. Klar, es hupt und klingelt ständig und überall, die Strassen sind total überfüllt, die Menschenmassen unüberschaubar und es gibt komische Getränke, die blubbern und qualmen, aber das gehört für mich für Asien speziell für China irgendwie dazu. Die Hauptstraße versuche ich weitestgehend zu meiden und ‚verliere‘ mich lieber in den ganzen kleinen Gassen (Hutongs). Es ist wirklich unglaublich, kaum dass man die Hauptstraße verlässt und sich in den kleinen Gassen befindet ist es herrlich ruhig. Man fühlt sich wie in einem kleinen Dorf mitten in der großen Stadt. Tatsächlich repräsentieren die Hutongs den alten und traditionellen Teil Pekings und man bekommt eine kleine Vorstellung, wie es dort früher einmal ausgesehen haben muss. Da die engen Gassen, aber zu schmal sind für Fahrzeuge jeglicher Art also auch für Rettungsfahrzeuge und die Häuser teilweise nicht gut in Stand gehalten werden und nach und nach verfallen, müssen immer mehr dieser Hutongs moderner Architektur und Strassenbau weichen. Anstelle der kleinen Häuser werden Hochhäuser gebaut. Aus Gründen des Platzmangels kann ich es verstehen zumal die Einkindpolitik wohl gelockert wurde, es sind jetzt bis zu zwei Kinder erlaubt, aber der alte Charme der Stadt geht komplett verloren und das ist mehr als schade. Für mich sind die Hutongs eins der absoluten Highlights in Peking.
Nicht asiatische Touristen begegnen mir den ganzen Tag kaum und in den Hutongs definitiv nicht. Von den Einheimischen werde ich überall erstmal ungläubig angeschaut. Wenn ich dann aber freundlich lächle und mit ‚Nihau‘ grüße und vielleicht auch noch winke, schauen die Chinesen erst überrascht, doch dann zaubert es ein lächeln auf ihr Gesicht und sie grüßen mit ‚Nihau‘ zurück. Oft rufen sie mir auch noch etwas hinterher. Ich verstehe kein Wort, aber es klingt freundlich. Ich fange an, eine Art Spiel daraus zu entwickeln und grüße fast jeden, den ich sehe. Die Erfahrung ist immer gleich und es ist ganz egal, ob es der Polizist ist, der an sein Motorrad gelehnt gerade Pause macht, die Mami mit dem Kinderwagen, die Oma, die vor ihrem Haus sitzt oder der zahnlose Opi, der mich zur Massage überreden wollte und noch so viele andere. Ich treffe nur auf freundliche Chinesen und bin total happy.
Was mich ein bisschen verrückt macht, ist die Tatsache, dass ich mich darüberhinaus nicht verständigen kann. Es gibt so unendlich viele neue Eindrücke, so viele Dinge, die ich gesehen habe, so viele Fragen und niemand den ich fragen könnte, weil niemand meine Sprache spricht.
Ein Vorteil dass ich mich nun wieder nördlich des Äquators befinde ist, dass es abends deutlich länger hell ist. Die letzten Wochen waren die Tage eher kurz. Je nach dem wo ich war, war es zwischen 17:30 und 18:30 zappenduster. Nachdem ich den Nachmittag kreuz und quer durch Peking gelaufen bin, lande ich am Abend vor einem Shoppingcenter. Das Shoppingcenter an sich ist mir egal, aber ich hoffe auf eine westliche Toilette. Da ich nun schonmal dort bin, beschließe ich auch gleich in dem Foodcourt des Shoppingcenters zu essen, denn draußen wird es langsam dunkel. Da ich die Schilder nicht lesen kann und es keine Bilder gibt, schaue ich, was die anderen Gäste auf ihren Tellern haben, bevor ich mich für einen Stand entscheide. Über meine App frage ich nach dem ‚English Menu‘. Das bringt mich aber auch nicht wirklich weiter, weil oft nur der Name des Gerichts übersetzt ist, aber nicht genannt wird, was tatsächlich für Zutaten verwendet werden. Da ich gern etwas vegetarisches möchte, ist diese Frage nicht uninteressant.
Hinter mir steht ein Amerikanisches Ehepaar in der Reihe, die dort schon mal gegessen haben und mir etwas empfehlen. Da man sich die wenigen Tische ohnehin mit Fremden teilen muss, beschließen wir gemeinsam zu essen. Für mich ist das mehr als willkommen und das Ehepaars zieht meine Gesellschaft einem Chinesen, den sie nicht verstehen, auch vor. Wir unterhalten uns eine ganze Weile und ich finde es sehr interessant, wie unterschiedlich ein Aufenthalt in Peking ablaufen kann. Sie erzählen mir, sie wollten auch gern mal einen Hutong sehen und hätten einen ganzen Nachmittag danach gesucht, aber keinen gefunden! Erst ganz am Ende als sie eigentlich schon aufgeben wollten sind sie doch noch in einem gelandet. Ich muss lachen, denn mir ist vollkommen unklar wie man es schafft die Hutongs zu übersehen, nachdem ich kaum in Peking angekommen, bereits diverse erkundet habe. Allerdings hängt es bestimmt ein bisschen davon ab, in welcher Gegend man seine Unterkunft gebucht hat, denn nicht überall gibt es sie noch. Zudem muss ich gestehen, dass der Stadtplan aus meinem Lonely Planet Reiseführer (normalerweise super) absolut Mist ist. Es sind nur die Hauptstraßen verzeichnet. Die ganzen kleinen Gassen sind nur als feine nichtssagende Linien dargestellt. Wenn ich nur den Stadtplan gehabt hätte, wäre es ziemlich hart für mich geworden. Dann hätte ich mich vermutlich auch nicht in die kleinen Gassen getraut, weil ich gar nicht gewusst hätte, wo ich lande. So oder so hätte ich mich garantiert sofort verlaufen, denn nicht alle Straßenschilder sind auf Englisch und selbst wenn bedeutet es nicht, dass die Übersetzung identisch mit dem Stadtplan ist. Ich habe dieses Problem selbst bei U-Bahn Haltestellen erlebt. Google Maps funktioniert ebenso wie google allgemein in China nicht. Insofern bin ich äußerst froh, dass ich in Australien bei meinem Besuch in den Blue Mountains von Helens Sohn den Tipp für die Pocket Earth App bekommen habe. Die Karte für Peking habe ich mir schon in Australien heruntergeladen, so dass ich nun offline darüber verfügen kann. Verlaufen ist mit dieser App selbst für jemanden wie mich, der mit Orientierung und Karten manchmal Probleme hat, echt ausgeschlossen. Das amerikanische Ehepaar hat die Chinesen leider nicht ganz so freundlich erlebt. Im Taxi wurden sie einfach per Handbewegung rausgeschmissen, wenn die gewünschte Strecke zu kurz war. Das lässt meinen eigenen ersten so positiven Eindruck aber nicht schmälern.
Am nächsten Morgen wache ich sehr erholt auf. Stockfinster und nur von dem Geräusch der Klimaanlage begleitet, die für eine angenehme Temperatur gesorgt hat, habe ich so gut wie schon seit Wochen nicht mehr geschlafen. Erstaunlich! Lange Zeit mich darüber zu wundern habe ich allerdings nicht, ich habe volles Programm. Eigentlich wollte ich die erste bei der Verbotenen Stadt sein, ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich mir das abschminken kann. Stockfinster bedeutet für mich mitten in der Nacht und mitten in der Nacht stehe ich ungern auf, wenn ich nicht muss. In einem Raum ohne Fenster ist es allerdings immer stockfinster.
Also beschließe ich erst noch beim Bell und Drum Tower vorbeizuschauen, denn am Tag zuvor war ich 10 Minuten zu spät um noch reingelassen zu werden. Die Drum Performance möchte ich mir gern anschauen und lohnt sich wirklich, falls man gerade in der Nähe ist. Der Ausblick von den Towern ist auch schön, allerdings durch den Smog stark eingeschränkt und zudem regnet es.
Der Weg nach oben ist nichts für schwache Konditionen und der Weg nach unten macht meiner Höhenangst ziemlich zu schaffen.
Jetzt will ich aber endlich in die Verbotene Stadt! Mit der U-Bahn ist es super einfach sich innerhalb der Stadt zu bewegen und schnell, sicher und äußerst kostengünstig um von A nach B zu kommen. Ich bin selten so einfach an ein Ticket am Automaten gekommen wie in Peking. Da könnte sich Deutschland mal eine Scheibe von abschneiden. Auf der Rolltreppe am Ausgang zur Verbotenen Stadt werde ich auf einmal von hinten in sehr gutem Englisch von einem Chinesen in meinem Alter angesprochen. Das ist neu. Auf dem Drum Tower als wir alle auf die Performance gewartet haben, wurde ich auch angesprochen. Das hat allerdings mehr an Englisch für Anfänger, Lektion 1 erinnert. Von ‚what‘s your name’, ‚where are you from‘ ‚how old are you‘ ‚nice to meet you‘ und ‚you are beautiful today‘ hat er alle Register gezogen. Ich war mir allerdings nicht sicher, ob er überhaupt meine Antworten verstanden hat. Auf meine Gegenfragen habe ich jedenfalls hauptsächlich einen fragenden Gesichtsausdruck statt einer Antwort bekommen. Er klang mehr, wie jemand der ein ‚Opfer‘ gefunden hat, an dem er die gerade gelernten Sätze ausprobieren konnte und hat sich total gefreut, dass ich ihn nicht gleich weggeschickt habe.
Die Situation auf der Rolltreppe ist anders. Ah, Deutschland, da hätte er auch mal ein paar Monate gewohnt und zum Beweis präsentiert er ein paar Sätze auf deutsch. Ich habe aber keine Lust mich mit ihm zu unterhalten oder mehr Informationen preiszugeben. Irgendwas stimmt nicht mit ihm. Er fragt wo ich hinwill. Ich antworte wahrheitsgemäß, denn das Ziel ist eigentlich offensichtlich. Da wolle er auch hin. Kurz vor dem Ausgang, erklärt er mir, er wäre schonmal da gewesen und wir müssen links herum. So wie er es sagt, klingt er aber nicht wie ein Tourist, der zum zweiten Mal eine berühmte Sehenswürdigkeit besucht sondern mehr wie jemand der seinen täglichen Weg zur Arbeit beschreibt. Mein Alarmsystem ist hellwach. Am Ausgang herrscht totaler Trubel. Ich muss mich erstmal sammeln und orientieren. Ein paar Schritte folge ich ihm, bleibe aber sofort abrupt stehen, denn mir kommt eine wahre Völkerwanderung ENTGEGEN! Links kann also unter gar keinen Umständen richtig sein. Zum Glück bin ich soweit informiert, dass es zur Verbotenen Stadt nur EINEN Eingang im Süden gibt und einen Ausgang im Norden. Alle Besucher werden also in der gleichen Richtung von Süd nach Nord durchgeschleust. Er bemerkt mein Zögern. Ob ich einverstanden wäre, einen kleinen Umweg zu machen und noch einen Tee trinken zu gehen. Spätestens jetzt ist es ganz klar, was er im Schilde führt. Meine Reaktion muss entsprechend eindeutig sein, denn er lässt mich daraufhin sofort in Ruhe. Von diesen Touristenfallen hatte ich zum Glück ausführlich vorher im Internet gelesen. Dieses kurze Tee trinken kann schnell mehrere Hundert Euro kosten. Ich gehe davon aus, dass ich auch so nicht darauf reingefallen wäre (im schlimmsten Fall, weil ich eh keinen Tee trinke und sowieso in die Verbotene Stadt will und zwar jetzt und ohne Umweg), aber mit entsprechender Vorwarnung war ich definitiv vorbereiteter. Manchmal bin ich einfach zu gutgläubig.
Kaum bin ich den Typen los, stehe ich schon wieder vor dem nächsten Problem. Ich muss mich irgendwie durch diese Menschenmassen aus lauter lärmenden Chinesen kämpfen. Das ist eigentlich so gar nichts für mich. Ok, Augen zu und durch. Wie auch an sämtlichen U-Bahn Stationen wird auch hier das Gepäck/Taschen durchgecheckt. Allerdings gibt es an den U-Bahn Stationen keinen Bodyscan, d.h., wenn ich Waffen oder Sprengstoff am Körper trage, fällt das überhaupt nicht auf. Idee gut, Umsetzung meiner Meinung nach verbesserungsfähig.
Die Verbotene Stadt liegt im Zentrum Pekings und diente 24 Kaisern während der Ming und Qing Dynastien (1368 - 1911) als Herrscherpalast. Für das normale Volk war der Zutritt ohne Sondergenehmigung streng verboten, woraus der Name resultiert. Es ist der mit 74 Hektar weltweit größte Palastkomplex, beherbergt mehr als 8700 Räume und gehört seit 1987 zum UNESCO Weltkulturerbe. Mit über 15 Millionen Besucher pro Jahr kann man sich ungefähr den Trubel zur Hauptsaison vorstellen, der mich gerade umgibt. Ich habe mir einen Audioguide besorgt, aber die meiste Zeit kommt die Stimme in meinem Ohr nicht gegen das allgemeine Stimmengewirr der vorwiegend asiatischen Besucher an. Die meisten Räume sind leider verschlossen, wovon ich recht enttäuscht bin, in die anderen kann man lediglich einen Blick werfen, wobei das bei meiner Größe und der Masse an Chinesen ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen darstellt. Die ganze Anlage ist trotzdem sehr eindrucksvoll und ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Hat sich die Menschenmenge auf den großen Plätzen noch weitestgehend gut verteilt, staut es sich im Palastgarten am Ende dafür umso mehr. Ich muss hier raus und suche fluchtartig nach dem Ausgang.
Draußen dauert es noch eine Weile bis man den Souvenirverkäufern, Taxi- und Rikschafahrern und sonstigen Leuten, die am Ausgang und entlang der Palastmauern auf die Touristen warten, entkommt.
Ich lasse mich wie am Vortag etwas treiben und lande auf einer großen Hauptstraße mit modernen Gebäuden und Luxusgeschäften. Da ich mir immer noch unsicher bin, ob ich die Fahrt zur Chinesischen Mauer am nächsten Tag selbst organisieren soll, was zwar kostengünstiger und flexibler ist, aber auch einige Risiken birgt oder eine Tour buchen soll, die zwar teurer ist, aber mehr Komfort bietet und vor allem das Sicherheitsrisiko ausschließt. Im Hostel haben sie leider keine Touren angeboten. Auf der Hauptstraße wimmelt es von Touranbietern und so entscheide ich mich spontan für eine Halbtagestour zu dem Abschnitt, den ich mir vorher schon rausgesucht hatte. Selbst hier erfolgt die Kommunikation wieder aus einem Mix aus einzelnen Worten, Händen und Füßen und der Übersetzungs App. Es gibt auch einen Abschnitt an der Chinesischen Mauer, den man ganz einfach mit der U-Bahn erreichen kann und der hervorragend rekonstruiert wurde und wohl sogar für Rollstuhlfahrer geeignet sein soll, jedoch deshalb auch total überfüllt ist. Ich habe Fotos im Internet gesehen, auf denen man vor lauter Touristen (Chinesen) die Mauer nicht mehr gesehen hat. Ich habe mich daher für einen etwas weniger überfüllten Abschnitt entschieden.
Im Internet hatte von einer Kung Fu Show gelesen, die ich mir auch gern anschauen möchte. Da ich inzwischen etwas erschöpft bin, entscheide ich mich bereits in die Nachmittagsvorstellung der Kung Fu Show zu gehen anstatt in die Abendshow.
An einer Kreuzung auf dem Weg zur U-Bahn sehe ich ein interessantes Gebäude und bleibe stehen, um ein Foto zu machen. Eine ältere chinesische Frau mit Fahrrad wartet mit mir an der Ampel und nimmt das Gebäude, welches absolut westlichen Stil hat, zum Anlass mit mir ein Gespräch anzufangen. Sie spricht einwandfreies Englisch. Sie ist ausgesprochen freundlich und ich freue mich endlich mal auf jemanden mit ausreichend Englischkenntnissen zu treffen. Sie scheint es nicht eilig zu haben. Noch schöpfe ich keinen Verdacht. Sie empfiehlt mir einen speziellen Markt, der ganz in der Nähe sei und meint, sie könne mich hinbringen, sie müsse ohnehin in die Richtung. Ich lasse ihn mir auf der Karte zeigen und wundere mich, dass ich ihn nicht gesehen habe, weil ich quasi daran vorbeigekommen sein muss und außerdem, dass er direkt an der Hauptstraße sein soll. Ohnehin liegt er in der entgegengesetzten Richtung und ich will zur U-Bahn, die ganz in der Nähe ist. Sie bemerkt mein zögern und fragt wo ich denn hin will und ich erzähle ihr von der Kung-Fu Show. Nein, die ist erst abends, jetzt sei Akrobatik. Kurz bin ich verwirrt, rufe mir in Gedanken die Homepage ins Gedächtnis. Ich bin mir ganz sicher. Sie kenne jemanden, der arbeitet bei einer Agentur, der könne mir Karten besorgen. Sie hat das Handy schon in der Hand. Ich lehne dankend ab. So langsam wird mir das doch alles ein bisschen suspekt. Sie ist allerdings sehr geschickt. Das Gespräch geht noch ein bisschen in dem Stil weiter, sie erzählt mir, es sei gerade ein Artfestival in der Stadt und sie hat irgendwas damit zu tun, sie hätte gerade Pause, aber heute sei der letzte Tag und dass es anz in der Nähe sei und es dort auch eine U-Bahn gebe. ‚Kann sein‘, denke ich, ‚hab aber weder was davon gehört noch interessiert es mich gerade‘. Bei dem Wort ‚Art‘ (Kunst) werde ich allerdings sehr hellhörig und mein steigendes negatives Bauchgefühl geht erneut auf Alarmstufe, denn von den Damen und der Kunstmasche haben mir am Abend zuvor schon die Amerikaner erzählt. Außerdem müsste sie wissen, dass die U-Bahn Station, die ich anpeile perfekt für mein Ziel ist. Ich will die Frau jetzt endlich loswerden. Als ich mich verabschiede, wirkt sie enttäuscht, bedankt sich aber für das nette Gespräch und so weiter und fragt, ob wir auf dem Weg zur U-Bahn nicht noch kurz einen Tee trinken wollen. Ich verneine. Als sie darauf mich mit ‚dauert nur 5 Minuten‘ versucht doch noch zu überreden, kann ich beim besten Willen kein Gegenargument mehr finden, dass die Frau mich nicht abzocken wollte. Ich gehe. Mein so positiver erster Eindruck hat heute wirklich ziemliche Risse bekommen und ich bin ernsthaft sauer. Jemand hat Zeit und Mühe in die Leute investiert und vielleicht auch Geld und anstatt die Sprachkenntnisse sinnvoll einzusetzen, wissen sie mit ihrem Wissen nichts besseres anzufangen als arglose Touristen abzuzocken. Das nervt mich. Denn ich kann mir vorstellen, dass es bestimmt einige gibt, die darauf hereinfallen. In einer Stadt, in der kaum jemand Englisch spricht, ist man als Ausländer schon froh, auf jemanden zu treffen, der es beherrscht und scheinbar weiterhelfen kann. Der Typ von morgens war recht plump, aber die Frau ist wirklich clever vorgegangen. Ich bin mir sicher, das hat sie nicht zum ersten Mal gemacht. Information, Selbstständigkeit und Orientierung sind in dieser Stadt offensichtlich enorm wichtig ansonsten kann einem sein eigenes Unwissen schnell zum Verhängnis werden und man ist leichte Beute für Betrüger und Scamversuche dieser Art.
Eine halbe Stunde später bin ich aber bereits wieder versöhnt. Da ich nicht wusste, ob und wann ich in die Kung-Fu Show gehe, habe ich nicht reserviert. Die Webseite hat zwar mit online discount geworben, sah mir jedoch nicht vertrauenswürdig aus. Die Karten sind nicht günstig und da ich kein Vermögen ausgeben will, nehme ich die einfachste Kategorie. Ich erwarte daher, dass ich irgendwo in der letzten Ecke platziert werde. Überraschung! Ich bekomme ein kostenloses Upgrade, dass fast 50 Prozent meines Ticketpreises entspricht. Die nette Frau vom Ticketschalter hat mich zudem in die zweite Reihe gesetzt und vor mir ist alles frei. Ich habe also eine super Sicht auf die Show und bin ganz nah dran am Geschehen. Ich bin begeistert! Nach der Show, die eine Mischung aus Tanz, Kung Fu Performance, Akrobatik und Story ist, gehe ich noch ein bisschen im Tempel of Heaven Park spazieren. Für die Tempel bin ich zu spät, die sind bereits geschlossen, aber ich treffe wieder auf jede Menge freundliche Chinesen, die sich im Park treffen und gemeinsam Sport machen, singen, Tai Chi praktizieren und ähnliches. Es herrscht eine sehr entspannte und positive Atmosphäre. Genau das richtige um den Tag ausklingen zu lassen.
Am nächsten Morgen bin ich bereits früh wieder auf den Beinen. Pick Up für die Mauer ist um 7:30, aber ich bin bereits kurz nach sieben an der Rezeption. Ich warte, aber nichts passiert. Kurz nach halb acht habe ich mal wieder eine Konversation über die App mit dem Mädel von der Rezeption. Nachdem ich ihr die Situation erklärt habe, schlägt sie vor, den Guide anzurufen. Sie diskutiert mit ihm auf Chinesisch. Die Kurzfassung ist, er sei da gewesen, ich angeblich nicht und jetzt ist er weg. Tausend Fragen gehen mir durch den Kopf, angefangen, bei ‚schon wieder Betrüger?‘ gleich gefolgt von ‚werde ich jetzt paranoid?‘ über ‚das Geld hole ich mir wieder!‘ bis hin zu ‚verdammt was mache ich denn jetzt eigentlich‘ ?! Parallel versuche ich mit dem Mädel zu kommunizieren, die helfen will. Sie will wissen, wo ich das gebucht habe. Weiss ich nicht mehr, irgendwo in der Stadt. Das heisst, ich weiss noch genau, wie es dort aussah, aber ich kann es ihr spontan nicht auf der Karte zeigen und über die Übersetzungs App geht das schon gar nicht. Ohnehin habe ich Zweifel, was die App übersetzt. Anhand ihres Gesichtsausdruckes dürfte es teilweise ziemlicher Bulls*** sein. Sie lacht mich aus, zu recht, und meint ich wäre Betrügern aufgesessen. So ganz will ich das in diesem Fall nicht glauben, immerhin war es eine Agentur mit festem Büro. Hilft mir aber gerade alles absolut nicht weiter. Sie sagt, ‚You take car‘ (ein bisschen Englisch kann sie), allerdings weiß ich nicht, ob sie mit car den Bus meint oder ob ich mir eins leihen soll, was ich ganz sicher nicht tun werde. Die Tage zuvor waren anstrengend, die letzten Nächte zu kurz, ich bin noch gar nicht richtig wach, mir wird das gerade zu viel. Ich bedanke mich für Ihre Hilfe, aber ich muss mich erstmal sammeln und entscheiden, was ich mache. Ich will mein Geld zurück und auf jeden Fall zur Mauer. Also beschließe ich, erst zur Mauer zur fahren und mich anschließend auf die Suche nach dem Office zu begeben. Das ganze hin und her hat Zeit gekostet und durch die Nutzung diverser Apps auch Akkuleistung vom Handy. Die Steckdose an meinem Bett funktioniert nicht und der Rest in meiner Powerbank hat den Handyakku über Nacht nur noch auf knapp 70 Prozent gebracht. Inzwischen ist er halb leer. Überstürzt mit einem halbleeren Akku loszulaufen erscheint mir endgültig töricht. Denn kein bzw. leeres Handy bedeutet nicht nur, dass ich im Zweifel keinen Notruf absetzen kann, sondern auch dass ich ohne brauchbaren alternativen Stadtplan, der mir in der Pampa eh nichts bringt quasi orientierungslos bin und mich zusätzlich überhaupt gar nicht mehr verständigen kann. Während der Akku lädt, recherchiere ich, wie ich auf eigene Faust zur Mauer komme. 3 Stationen mit der U-Bahn und dann umsteigen in den Bus. U-Bahn ist easy. Bus ist so eine Sache, weil da muss ich wieder kommunizieren. Erwartungsgemäß spricht der Busfahrer kein Englisch und allgemein habe ich die Chinesen bisher nicht unbedingt als sehr geduldiges Volk erlebt. Ich bin also ein bisschen nervös, außerdem bin ich im Internet auf weitere schaurige Geschichten über Betrüger am Busbahnhof gestoßen und die Meinungen über die richtige Buslinie gingen im Internet auch stark auseinander. Ich entscheide mich für die, die von allen genannt wurde. Mein Glück ist, dass ich bis zur Endstation fahren kann, denn die Haltestellen werden nur auf Chinesisch angezeigt. Die Fahrt dauert laut Internet mindestens eine Stunde je nach Verkehr. Kaum sind wir raus aus der Stadt und auf der Autobahn, schlafe ich bereits. Es ist mir unbegreiflich, wie ich bei dem ruppigen Verkehr ausgerechnet in einem Bus in China innerhalb kurzer Zeit schlafe anstatt aufzupassen, während ich in Australien immerhin im Nachtbus keine Auge zubekommen habe. Als ich wieder aufwache, bin ich erstmal orientierungslos und habe keine Ahnung, wo ich bin. Immerhin - derselbe Sitznachbar ist noch da, d.h. der Bus ist noch nicht wieder auf dem Rückweg. Dank meiner tollen App finde ich heraus, dass wir bereits in der richtigen Stadt sind und auch die Route des Busses und die Endstation, denn für meinen Geschmack fährt der Bus zu lange in der Stadt und in die falsche Richtung. Aber der Bus macht lediglich einen riesengroßen Bogen. Kurz darauf halten wir an einer Haltestelle. Ein Mann mit Türsteherfigur steigt ein, bleibt aber vor dem Fahrer stehen, da er nicht bezahlt. Er brüllt etwas auf Chinesisch. Erst habe ich noch Hoffnung, aber ziemlich schnell ist Irrtum ausgeschlossen, er meint definitiv mich. Ich habe keine Ahnung, was er will, er brüllt weiter auf Chinesisch. Ich verstehe nur, dass ich aussteigen soll. Immer noch nicht richtig wach, weiche ich automatisch von meinem vorderen Sitzplatz weiter ins Businnere. Der Typ ist mir unheimlich. Ich wende mich hilfesuchend an den Herrn von der Security, der unseren Bus begleitet, aber sein Blick ist so teilnahmslos, dass schnell klar wird, vom dem brauche ich keine Hilfe zu erwarten. Ich bin mir nicht mal sicher, ob er eigentlich versteht, was vor sich geht. Im ersten Moment hatte ich noch Sorge, dass mich die Polizei rausfischt, weil mit meinem Transitvisa darf ich Peking eigentlich nicht verlassen und ich bin mir nicht sicher, ob man Mutianyu und den Mauerabschnitt noch zum Großraum Peking zählen kann. Aber der Typ macht nicht den Eindruck, als wäre er von der Polizei und außerdem wäre er dann inzwischen bestimmt weiter eingestiegen. Als der Fahrer die Tür schließt, verstehe ich endlich, was der Typ die ganze Zeit brüllt. Es ist der Name des Mauerabschnittes, zu dem ich hinwill. Er ist Taxifahrer, schießt es mir in den Kopf. Oh man, jetzt wollen sie mich schon aus dem Bus rausholen. Mein Plan für die Endstation steht. Ich schließe mich mit anderen Nichtchinesen zusammen oder ich nehme einen Minivan. Die Situation am Busbahnhof gestaltet sich dann aber natürlich anders und mein Vorhaben scheitert innerhalb von Sekunden. Ich bzw. der Bus wird bereits von mehreren Taxifahrern erwartet. Innerhalb von Sekundenbruchteilen muss ich entscheiden was ich mache. Andere Touristen - Fehlanzeige. Minivan - Fehlanzeige. Der Ort erscheint mir auch nicht geeignet um länger zu warten. Also gibt’s nur die Wahl zwischen den gleichen Bus wieder zurück nach Peking zu nehmen oder doch mit dem Taxi zur Mauer. Ich verhandele mit einem Taxifahrer, der mir vertrauenswürdig aussieht. Er will 80 RMB. Das ist mir zu teuer. Ich bin bereit 60 RMB zu zahlen und da mir klar ist, dass er, egal welchen Preis ich nenne, nochmal erhöhen wird, sage ich 50 RMB. Wir einigen uns auf 60 RMB. Auf dem Weg zum Auto gehe ich in Gedanken kurz die Sicherheitspunkte durch. Hinten einsteigen, auf der Gegenüberliegenden Seite des Fahrers, Rucksack bereit zur Flucht. Schon halb eingestiegen, wird mir plötzlich klar, das ist gar kein Taxi sondern ein Privatauto! Mir schießen alle möglichen Gedanken durch den Kopf, aber Panik hilft mir gerade nicht. Mit einem Bein noch auf der Straße frage ich nach seiner Lizenz. Er versteht nicht. Mit Hilfe meiner Übersetzungsapp frage ich nach seinem Ausweis. Jetzt versteht er. Er lacht. Aber er lacht mich nicht aus. Es ist ein freundliches Lachen und in seinem Gesichtsausdruck sehe ich auch Verständnis. Ohne zu zögern holt er seinen Ausweis hervor und gibt ihn mir. Ich frage, ob ich ein Foto von dem Ausweis machen darf. Das gibt mir zumindest ein Minimum an Sicherheit. Seine Reaktion gibt den Ausschlag, dass ich vollends einsteige. Mir meiner Situation durchaus bewusst, passe ich auf wie ein Luchs, bereit beim ersten Anzeichen für eine falsche Richtung zu flüchten. Dass er mich ausraubt oder ähnliches ist unwahrscheinlich, aber ich habe auch keine Lust an irgendeinen Ort gebracht zu werden, wo ich mich mit unnützem Zeug freikaufen muss. Zur Sicherheit weise ich ihn nochmal darauf hin: ‚no Shopping‘. Er versteht kein Wort. Bei der nächsten roten Ampel zeige ich ihm die Übersetzung auf meinem Handy. Ungläubig guckt er mich an und zeigt nochmal auf das Foto mit der Chinesischen Mauer. Erleichtert bestätige ich, wir haben das gleiche Ziel. Was mich ebenfalls beruhigt, ist die Tatsache, dass er quasi kein Englisch spricht. Bisher habe ich schlechte Erfahrungen nur mit sehr gut Englisch sprechenden Chinesen gemacht. Ich entspanne mich ein wenig und versuche die Landschaft zu genießen, bleibe aber weiterhin wachsam. Erstaunt stelle ich fest, wie wichtig Vertrauen auf Reisen ist. Klar, zu Hause muss ich auch vertrauen, dem Busfahrer, dem Bäcker, dem Versicherungsmenschen und noch so vielen mehr, aber irgendwie ist das anders. Da kenne ich mich aus, spreche die Sprache und kenne die Gegebenheiten, habe Rechtssicherheit und im Zweifel google ich es einfach. Auf Reisen ist das nicht immer der Fall. Besonders in China, da ich nicht mal die Sprache kenne, wird mir bewusst, wie wichtig das Vertrauen in die eigenen Entscheidungen und sein eigenes Bauchgefühl ist. Ohne Kommunikation in Worten bin ich gänzlich auf Interpretation von Körpersprache und Mimik, die in anderen Kulturen gänzlich anders sein kann, und Einschätzen der Situation angewiesen. Mein Bauch sagt mir, ‚alles ist gut‘, es ist mehr mein Verstand, geprägt durch Erziehung und Erfahrungen anderer, der sich alle möglichen Szenarien ausmalt.
Nach ca. 30 Minuten erreichen wir tatsächlich das Ticketoffice. Ich bin unglaublich erleichtert. Er gibt mir zu verstehen, dass er auf mich warten wird, während ich auf der Mauer herumklettere, wobei ich noch nicht weiß, ob ich das gut oder schlecht finden soll. Er hält einen Zeitraum für drei bis vier Stunden für realistisch. Ursprünglich hatte ich mal überlegt hochzulaufen, denn vom Ticketoffice bis zur Mauer besteht noch ein ziemlicher Höhenunterschied. Angesichts der Gesamtsituation und des Klimas, das um ein vielfaches anstrengender ist als in Peking entscheide ich mich für den Shuttlebus und anschließend den Sessellift. Endlich Ruhe! Die lärmenden, drängelnden Chinesen am Bus und auf dem Weg zum Lift bin ich erstmal los. In meinem Lift ist es allerdings deutlich höher, luftiger und schaukeliger als erwartet. Während ich kurz angestanden habe, gab es ein Safetyvideo, in dem gezeigt wurde, wie fantastisch die Angestellten trainiert sind, Passagiere zu retten. Das war für meine Höhenangst nicht sehr hilfreich. Der Ausblick entschädigt dann aber für alles. (Die Bilder sprechen für sich.) Die Mauer beeindruckt mich sehr und ich verbringe deutlich mehr Zeit dort oben als ursprünglich erwartet. Als es langsam Zeit wird den Rückweg anzutreten, überlege ich, was ich mit meinem Fahrer mache. Wenn er mich wirklich über’s Ohr hauen wollen würde, wäre das auf dem Hinweg eindeutig schneller und einfacher gewesen als stundenlang auf mich zu warten. Daher verwerfe ich meinen ursprünglichen Plan ihm irgendwie zu entwischen. Für den Weg ins Tal wähle ich die Rutsche, was widererwarten großen Spaß macht. Am Eingang in der Nähe des Ticketoffices wartet bereits mein Fahrer. Wir erkennen uns sofort und er scheint sich sogar zu freuen mich wiederzusehen. Vielleicht hat er aber auch befürchtet, wir hätten uns verpasst. Auf dem Weg zum Auto werde ich erneut von Taxifahrern belagert, die ich nun zum Glück leicht abschütteln kann. Wieder an der Bushaltestelle angekommen, bin ich unendlich froh und dankbar und zahle ihm ein gutes Trinkgeld. Bevor er mich gehen lässt, bittet der Fahrer mich noch, das Foto von seinem Ausweis zu löschen, was ich natürlich selbstverständlich sofort erledige.
Die Busfahrt zurück nach Peking dauert fast zweieinhalb Stunden. Die Rushhour hat uns voll erwischt. In der Zwischenzeit versuche ich zu rekonstruieren, wo genau ich am Vortag die Tour gebucht habe. Schließlich habe ich noch eine Mission. Ich will mein Geld zurück. An Hand von Fotos, die ich vor und nach meinem Besuch bei der Touragency gemacht habe und meiner Erinnerung an die Umgebung kann ich mein Suchgebiet auf zwei Hauptstraßen eingrenzen.
Als ich in der entsprechenden Gegend die U- Bahn verlassen will, kann ich gerade noch so durch den Ausgang zur Straße schlüpfen bevor der Ausgang hinter mir durch die Polizei abgeriegelt wird. Erst will ich fragen, was los sei, aber angesichts der schwierigen verbalen Kommunikation der letzen Tage, belasse ich es dabei. Meine Gedanken überschlagen sich. Terroranschlag? Überflutung? Unfall? Meine schlimmsten Befürchtungen werden weiter genährt als ich auf die Straße trete. Die Kreuzung ist voller Menschen, überall sind Strassenblockaden und es wimmelt von Polizei. Es sieht ganz nach einer Demonstration aus. Das fehlt mir noch. Die Bilder und Videos, die mich aus Deutschland vom G20 Gipfel erreicht haben, sind mir noch sehr präsent im Gedächtnis. Allerdings kann ich ohne Probleme mit allen anderen beim Umschalten der Ampel die Straße überqueren. Meiner Verwirrung weicht die Erkenntnis, dass es sich lediglich um den ganz normalen Donnerstag Abend Wahnsinn handelt. Oh man, Peking ist echt eine andere Dimension.
Nach kurzem Suchen finde ich das Touroffice. Ich werde bereits erwartet. Keiner von uns kann sich erklären, was passiert ist. Angeblich war der Fahrer bereits um 7:00 Uhr im Hostel (abgesprochen war 07:30 Uhr) und ist dann wieder gefahren, weil ich nicht da war. An der Rezeption im Hostel wussten sie von nix und ich habe nicht erwartet (schon gar nicht in China) eine halbe Stunde vorher abgeholt zu werden. Ein bisschen seltsam bleibt es, dass der Guide nichtmal ein paar Minuten gewartet hat, denn ich war ja weit vor der Zeit fertig. Immerhin bekomme ich anstandslos mein Geld zurück.
Nach der ganzen Aufregung vom Tag bin ich sehr hungrig. Ich entscheide mich für einen speziellen Hutong, eine Empfehlung aus dem Reiseführer, der ohnehin auf dem Weg Richtung Hostel liegt, eine große Auswahl an Restaurants und ähnlichem bietet und beliebt bei Einheimischen sein soll. Drei Tage schienen nicht ausgereicht zu haben um im Vorwege zu verstehen, was ‚beliebt bei Einheimischen’ bedeutet. Es ist mindestens so voll wie an einem Samstag bei uns in der Innenstadt kurz vor Weihnachten. Unschlüssig was ich essen soll, probiere ich mich durch verschiedene Kleinigkeiten. Die Kartoffelspirale sah gut aus, entpuppt sich aber als Reinfall. Die Kartoffel ist kalt und schmeckt nach Pappe mit Ketchup. Außerdem fehlt mir die Anleitung, wie ich das essen soll ohne mich komplett einzuschmieren. Am Ende lande ich noch in einem kleinen chinesischen Imbiss an der Ecke. Ich bestelle irgendwas, was vegetarisch aussieht. Ich bekomme Nudeln, die wie Spaghetti aussehen und auch so schmecken, mit Gemüse auf einem suppigen Untergrund. Ich finde es auch nicht schön, wenn jemand beim Essen schmatzt und schlürft (Asiaten sind ja bekannt dafür), aber hat schonmal jemand probiert Spaghetti in Suppe mit Stäbchen zu essen ohne dabei zu schmatzen oder zu schlürfen?! Mir gelingt es jedenfalls nicht vollständig.
Müde falle ich im Hostel ins Bett und lasse die vergangenen zweieinhalb Tage Revue passieren. Der Verkehr, die vielen Leute und die schwierige Kommunikation sind echt anstrengend gewesen, aber ich habe so viele tolle Erlebnisse und freundliche Begegnungen gehabt, dass es das mehr als aufwiegt. Die beiden Scamversuche waren ärgerlich, aber schwarze Schafe gibt es eben überall. Die Nacht wird kurz, es ist fast zwölf und mein Wecker geht um 04:00 Uhr. Das nächste Abenteuer wartet bereits!
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