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Unvergessliche Tage in Tokio und Kyoto
Nach unserem Kurzaufenthalt in China verschlug es uns am 7. März 2011 ins kleine, aber feine Japan.
Bereits in unserem Hostel in Tokio wurden wir Zeuge der erfindungsfreudigen Japaner. So verwöhnte man uns mit beheizten Klobrillen und integriertem BD (Wie ich es vermisse!) sowie sog. Cabins, eine Schlafmöglichkeit in Form einer übergroßen Hundebox, mit der man sogar in einem 10'er Schlafsaal seine Privatsphäre hat. Am Tag nach unserer Anreise stürzten wir uns schließlich ins Geschehen dieser Megametropole und ich sage nur soviel: Reizüberflutung ist gar kein Ausdruck! Soviel Leuchtreklame auf einmal habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen! Im Stadtteil Shibuya wurde dann auch schnell deutlich, was das Wort „Millionenstadt" eigentlich bedeutet. Denn beim Verlassen der U-Bahnstation gelangten wir direkt auf die Kreuzung des Stadtteilkerns, bei der es sich um eine Alle-Gehen-Kreuzung handelt und welche zu abendlichen Spitzenzeiten pro Ampelphase von bis zu 15.000 Menschen überquert wird.
Am Vormittag des darauf folgenden Tages lernte ich (während Fuchs einen „day off" einlegte) jedoch eine ganz andere Seite von Japan kennen. Es galt nämlich eine der kulinarischen Köstlichkeiten des Landes zu probieren und so suchte ich mit meiner koreanischen Zimmernachbarin ein Running-Sushi-Restaurant auf, bei dem die fertigen Sushi-Häppchen auf einem Laufband an einem vorbeifahren und nur darauf warten, vernascht zu werden. Ich habe selten etwas leckereres und frischeres gegessen…und wer hätte gedacht, dass frischer Thunfisch tatsächlich die Farbe rot hat Im Anschluss daran verschlug es mich in den Stadtteil Akihabara, der sog. Electric City. Wie der Name schon sagt, besteht dieses Fleckchen Tokios eigentlich nur aus Elektronikfachgeschäften - quasi ein Spielplatz für „große Jungs". Dort durfte ich dann auch erstmals Zeuge eines Parkhauses à la „The Fast And The Furios - Tokio Drift" werden, bei dem auf Knopfdruck das eigene Auto an das Garagentor befördert und es dann durch eine Drehscheibe in Startposition mit Blickrichtung zur Straße gebracht wird. Hach, das Leben kann so einfach sein
Den Abend verbrachten wir mit Filmchen gucken im „Wohnzimmer" unseres Hostels, was immer wieder ein kleines bisschen Heimat in die Ferne bringt. Denn wo verbringt man die Abende nach einem anstrengenden Tag lieber, als auf der Couch?!
Am Folgetag quälten wir uns recht früh aus dem Bettchen, um das Geschehen am größten Fischmarkt der Welt live mitzuerleben. Leider verpassten wir die berühmte Thunfisch-Auktion, die jeden Morgen zu unchristlichen Zeiten stattfindet. Allerdings beeindruckte allein schon die große Vielfalt an Fisch, die der Markt zu bieten hatte. Da uns aufgrund dessen das Wasser bereits im Mund zusammenlief, gab es gleich noch im Anschluss ein Sushi-Frühstück. Sushi macht süchtig! Und als wäre das nicht bereits genug an kulinarischen Höhepunkten, ergab sich am Abend die Möglichkeit mit einem Japaner und zwei Deutschen aus unserem Hostel zu einem landestypischen Barbecue-Restaurant zu gehen. Der Unterschied zum deutschen Grillen ist lediglich, dass das Ganze drinnen stattfindet und das Fleisch in Häppchen portioniert wird. Ansonsten ist es mindestens genauso lecker und wie auch bei uns rückt Gemüse hier eher in den Hintergrund
Ungeachtet dessen, dass Tokio uns bereits auf Anhieb beeindruckt hat, entschlossen wir uns am nächsten Tag den Nachtbus nach Kyoto zu nehmen und lieber vor unserer Abreise noch ein paar Tage in der Hauptstadt Japans zu verbringen. Wie sich herausstellte, war das eine der weisesten Entscheidungen während unserer bisherigen Reise …So ereignete sich an unserem Anreisetag in Kyoto gegen 14:45 Uhr das uns wohl allen bekannte Erdbeben mit einer Stärke 9.0. Füchschen schlief währenddessen. Ich hingegen saß im Wohnzimmer des Hostels und selbst in Kyoto, ca. 500km von Tokio entfernt, konnte man das Erdbeben spüren. Es fühlte sich in etwa so an, als wir nach unserem Trip vom Segelboot wieder aufs Festland kamen und ein permanentes Schwanken verspürten. Zu dem Zeitpunkt fanden wir es noch klasse, auch mal ein Erdbeben miterlebt zu haben. Da war allerdings auch noch nicht klar, was das alles für Folgen nach sich zieht. Im TV haben wir genauso wie ihr in Deutschland den Tsunami und die Unfälle der Kernkraftwerke in Fukushima verfolgt und waren dementsprechend geschockt. Das eigentlich erschreckende war jedoch, dass man in Kyoto selber nichts davon mitbekommen hat. Das alltägliche Leben nahm seinen Lauf, weswegen auch wir vorerst unser Touri-Program fortsetzten. Wir verbrachten die Tage im wunderschönen Kyoto mit dem Besuch einer Art Lichterfest, einer Radtour zu verschiedensten Tempeln, relaxen in einem frühlingshaften Park sowie dem Besuch in einem Onsen (jap. Bad) und lernten die japanische Kultur lieben. Sehr witzig war der Besuch im Kiyomizu Tempel. Vor dem Eingang baten uns zwei Japanerinnen an, dass sie uns kostenlos durch den Tempel führen würden - lediglich um mit Menschen aus fremden Ländern in Kontakt zu treten. Im Tempel selber stand nahezu alles im Zeichen der Liebe. So gab es beispielsweise eben auch den Love Stone. Letztlich geht es darum von einem Stein zum anderen mit geschlossenen Augen zu laufen. Findet man den Weg allein, so findet man auch eigenständig sein Liebesglück. Benötigt man etwas Hilfe dabei, findet man sein Liebesglück ebenso durch die Hilfe eines anderen…sehr süß die Japaner. Als Einzige von dreien hab ich's geschafft, also schauen wir mal, ob mir doch noch ein leckerer australischer Surfer über den Weg läuft
Nach all den wunderschönen Tagen in Japan und dem eigentlichen Vorhaben länger in diesem Land zu bleiben, entschlossen wir uns angesichts der Atomkatastrophe vorzeitig nach Australien weiterzufliegen. Somit mussten wir zwar eine Nacht am Flughafen von Osaka verbringen und einen langen Umweg nach Down Under in Kauf nehmen. Allerdings war es in Anbetracht der aktuellen Lage in Japan wohl das Beste, was wir tun konnten.
Dennoch bleibt zu sagen, dass ich völlig ohne Erwartungen in dieses Land geflogen bin und es mit der Gewissheit, dass ich definitiv wiederkommen werde, verlassen habe. Lovely Japan…
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